Trashdiving - Auf Mülltauchgang in Hornberg

Aktualisiert: 27. Aug.

KIRCHBERG/JAGST - Vor nicht all zu langer Zeit war es auch hierzulande üblich, Müll in der Natur zu entsorgen. Ich wohne direkt am Rande des Landschafts- und Naturschutzgebietes Jagsttal und der ehemaligen Dorfmüllkippe.


Das Flusstal der Jagst und seine bewaldeten Hänge sind wertvolle und über weite Strecken geschützte Naturlandschaften. Ich habe das Glück, direkt am Rande des Jagsttales bei Kirchberg zu wohnen. Im Frühjahr ein wahres Paradies. Vogelgesänge, das Rauschen des Flusses und ein riesiger Bärlauchteppich sind Balsam für die Seele.

Cornelius Braitmaier auf Tauchgang im historischen Müllberg hinter Hornberg

Doch in früheren Zeiten, und leider auch heute vielfach noch, hatten Menschen weniger einen Blick für die prachtvolle Natur als für die Möglichkeit, ihren Müll günstig zu entsorgen. So fungierte der Ortsrand auch gleich als Müllkippe und wurde über die Jahrzehnte zum Archiv der Wegwerfkultur.




Drei "Tauchgänge" brachten erstaunliche Fundstücke menschlicher Konsumgeschichte ans Licht. Wurden die ältesten Artefakte noch aus Steinzeug, Glas und Eisen gefertigt finden sich auch Medikamentenverpackungen, Plastikteile oder elektronische Bauteile neueren Datums.


Generationen von Maggiflaschen aus Muttis guter Küche finden sich in den Tiefen des Schutthügels

Die Glasflaschen und Scherben sind für Tiere deren Wildwechsel quer durch den Müllhang führen nicht ungefährlich. Auch die Gefahr von Waldbränden durch Scherben die im Sommer wie ein Brennglas wirken steigt mit zunehmenden Dürreperioden. Auch deshalb versuche ich immer wieder, zumindest oberflächlich, den Müll abzusammeln. Kein einfaches Unterfangen. Sind doch der Großteil Schutt und Geröll und das klettern im Hang ist nur angeseilt möglich.


Trotz meines Unverständnisses über das Verhalten von Menschen gegenüber der Natur und dem Wissen, dass ich hier nur einen mikroskopisch winzigen und relativ harmlosen Teil des globalen Müllproblems vor Augen hatte, hat mir die Aktion doch etwas gebracht. Neben dem kleinen Kletterabenteuer - Profikletterer mögen sich Komentare zu meiner Anseiltechnik verkneifen ;-) - hatte ich doch das Gefühl, etwas bewirkt zu haben. Ein bisschen weniger Mikroplastik das zur Jagst sickern kann, Scherben an denen sich Tiere schneiden können und einige Tropfen von Medikamentenrückständen die ins Grundwasser gelangen können waren es Wert.


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